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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

14. Sonntag nach Trinitatis, 17.09.2017

Predigt zu Matthäus 6:24-34(dänische Perikopenordnung), verfasst von Lasse Rødsgaard Lauesen

Dieses Evangelium ist ein zentraler Teil der Bergpredigt und deshalb ein wichtiger Teil des kirchlichen Erbes. Wenn Sie das so hören wie ich, kann ich merken, man nickt etwas zustimmend. Denn es ist ja so richtig, wie es dasteht, wer kann, indem er sich sorgt, auch nur einen Tag zu seinem Leben hinzufügen. Trotzdem machen wir uns hier zur Kirchzeit alle möglichen Sorgen. Googelt man das Wort Sorge, kommen viele Hits aus der Sorgenindustrie. In einem der mehr zweideutigen Hits heißt es: Lasst die Sorgen los! Man kann fast vor sich sehen, wie das vor sich geht mit den losgelassenen Sorgen in allen Schattierungen, die wir nicht unter Kontrolle bringen und eindämmen.

Sorgen gehören zu unserem DANN als Menschen, wir können sie vielleicht etwas zügeln, aber sie sind trotzdem da und brechen hin und wieder aus in unserem Leben. Wenn sie das tun, brauchen wir jemanden, der sagen kann: Sorget nicht. Aber allen Ebenen in unserer Gesellschaft gibt es deshalb Leute die eben dies sagen können. Macht euch keine Sorgen. Ein Vater oder eine Mutter, ein älterer Mensch, der selbst unsere Sorgen geteilt hat, der Arzt und heute der Pastor, der im Namen Gottes uns besorgten Menschen sagen kann: Sorget nicht.

Eine Mutter hat gerade ihre Vordertür zugemacht, auf dem Weg von zuhause weg geht ihre Tochter zu einem Fest zum ersten Mal. Sie hat ihr Kleid selbst ausgewählt. Da braucht man jemanden, der sagt: Mach dir keine Sorgen.

Ein Mann hat sein ganzes Leben für seine Pension gespart, jetzt hat er sein Geld in einige Papiere investiert, so dass sich sein Vermögen in kurzer Zeit wohl verdoppelt. Eines Tages entdeckt der Mann jedoch etwas – und da braucht er jemanden, der sagt: Mach dir keine Sorgen.

Ein Sohn ruft zuhause seine Mutter an, er sitzt in einem Studentenheim, uns ihm ist alles zu viel geworden. Die Examen drohen und die Freundin hat ihn verlassen. Er braucht jemanden, der sagt: Mach dir keine Sorgen.

Jeder braucht jemanden, der uns autoritativ versichern kann, dass die Zukunft nicht so ist wie unsere düsteren Sorgen. Die Kirche ist so ein Ort, wo uns geholfen wird, unsere Sorgen zu zügeln. Und Gott sagen hören: Sorget euch nicht um euer Leben, wie ihr essen und trinken werdet; auch nicht um den Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum kümmert?“

Die Worte sollen uns daran erinnern, ganz gleich wie unsere Sorgen unsere Zukunft aussehen lassen, sie gehört letztlich dennoch Gott. Sollten wir dann nicht auch einsehen, dass es sowohl auf lange als auch auf kurze Sicht selten ist, dass alle Sorgen Wirklichkeit werden. Ein Teil dieser Sorgen erledigt sich selbst, die Tochter kommt rechtzeitig nach Hause, der Mann erhält seine Pension und der Sohn macht sein Examen. Wenn der Tag kommt, haben wir aber dann neue Zukunftssorgen.

Wir kommen mit allen unseren Sorgen in die Kirche – nicht um sie aus den Augen zu lassen, sondern um zu hören, das es schon gehen wird. Denn alle unsere Sorgen sind im Lichte des Evangeliums immer kurzsichtig. Auf lange Sicht ist Gott stets unsere Zukunft, wo immer wir auch unterwegs sind und wo uns verheißen ist, dass es trotz aller unserer Sorgen gut ausgehen wird. Amen.



Pastor Lasse Rødsgaard Lauesen
DK-5000 Odense
E-Mail: lrl(at)km.dk

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