Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.
Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.
Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.
Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.
Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.
Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.
Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat
Liebe Gemeinde,
er war Kirchenvorsteher. Mit Leib und Seele. Für seine Gemeinde hat er sich immer mit ganzer Kraft, mit viel Zeit und auch mit finanziellen Mitteln eingesetzt. Kein Tag verging ohne Lesung der Losung; an freien Tagen stand er in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs mit einem kleinen Stand und erzählte den Passanten von Gottes Liebe zu uns Menschen.
Ein überzeugter, tief gläubiger und vorbildlicher Christ.
In seinem Beruf war dieser Mann sehr erfolgreich. Er arbeitete in einer sehr großen norddeutschen Firma und über seinen Schreibtisch gingen regelmäßig Millionenbeträge. Und genau diese Verantwortung für die Millionenbeträge ist ihm zum Verhängnis geworden. Er wurde der Bestechung überführt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das niedrige Strafmaß erklärt sich aus seiner Geständigkeit und Selbstanzeige.
Sehr ausführlich hat dieser Mann mir erklärt, warum und wieso es zu dieser Bestechungsaffäre gekommen ist: „Das ist leider in meinem Beruf Branchenüblich! Ohne dass Millionen über den Schreibtisch geschoben werden in der Schifffahrt keine Großaufträge vergeben!"
Kurze Zeit später standen Neuwahlen zum Kirchenvorstand an. Unser Mann hat nach langen Überlegungen wieder kandidiert.
Als diese Kandidatur bekannt wurde erhielt ich einen Anruf einer empörten Frau: „Wie kann der als Kirchenvorsteher kandidieren - der ist doch ein verurteilter Verbrecher!"
Ich habe diese Frau - übrigens Tochter eines Pastoren - an die Gnade und Barmherzigkeit Gottes erinnert. Und auch an den Liedvers: „Jesus nimmt die Sünder an!" Trotzdem meinte sie, jemand der von einem Gericht verurteilt sei dürfe nicht Kirchenvorsteher sein. „Verantwortung in der Kirchengemeinde dürfen nur saubere Menschen tragen!"
Mir fiel da nur noch der Satz ein, den Jesus zu den Männern gesagt, die eine Ehebrecherin steinigen wollten: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!"
Unser Kirchenvorsteher - er wurde übrigens mit großer Stimmenzahl gewählt - trotz allem - unser Mann wusste, dass er in seiner beruflichen Zwickmühle gesündigt hatte: „Ich habe oft und oft vor Gott meinen Fehler bekannt und den Allmächtigen und Barmherzigen um Verzeihung gebeten!" so hat er ganz offen bekannt.
In unserem Predigttext heißt es:
Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
Das genau ist die Haltung, die uns Christen ansteht: Vor Gott bekennen, was in unserem Leben nicht stimmt und den Allmächtigen und Barmherzigen um Verzeihung bitten. Dann wird uns Gott einen neuen Anfang schenken. Dieses Versprechen haben wir durch Jesus Christus, der immer wieder die Gnade und Barmherzigkeit Gottes gepredigt und gelebt hat.
Denn wir wissen: „Wir sind allzumal Sünder" - so jedenfalls hat das Martin Luther gesagt.
Aber es gehört zu dieser Vergebung Gottes eins unabdingbar dazu: Das Bekenntnis, dass wir „vor Gott und den Menschen gesündigt haben", wie es in Beichtbekenntnis heißt.
Meine Anmerkung dazu: Diese Beichte, die bei Martin Luther einen hohen Stellewert hat, wird in unserer gottesdienstlichen Praxis viel zu selten gesprochen. Wann kommt diese Beichte, dieses Bekenntnis, dass wir „allzumal Sünder" sind, denn noch vor?
Karfreitag sowie am Buß- und Bettag wird noch die Offene Schuld gesprochen. In manchen Gemeinden gibt es die Beichte noch vor dem Abendmahl.
Zum Ende des 1. Jahrhunderts und zu Beginn des 2. Jahrhunderts gab es einige seltsame Christen. Sie waren der Meinung, dass ihr tägliches Leben nichts mit ihrem Christsein zu tun habe. Sie waren der Meinung, dass die Christen sozusagen einen „inneren Lichtkern" in sich tragen, der gar nicht sündigen könne. Sie behaupten, schon „aus Gott geboren" zu sein und deswegen in ihrer christlichen Existenz sündlos zu sein, und sie meinen, deswegen gar nicht sündigen zu können.
Das tägliche Leben habe mit ihrem Christsein gar nichts zu tun.
Ich will mal versuchen dass an einem Beispiel klar zu machen. Bleiben wir bei unserem Mann, der wegen Bestechung verurteilt worden ist:
Wenn dieser Mann gesagt hätte: „Was kümmert mich als Christen diese branchenübliche Bestechung, ich bin ja als Christ immer in Gottes Licht und deswegen ist mein Tun gar keine Sünde. Vergebung brauche ich nicht!" - Wenn dieser Manager das so gesagt hätte wäre meine Antwort: „Dann hast du nix verstanden von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die uns immer wieder gilt, wenn wir unsere Schuld bekennen und um Gottes Vergebung bitten."
Glücklicherweise war's bei ihm anders und er hat sein Leben und sein Tun vor Gott und die Gemeinde getragen. Ganz offen. Und deswegen hat Gott ihm vergeben. Dessen bin ich mir ganz sicher. Und deswegen ist es richtig, dass die Gemeinde ihm bei der KV-Wahl ihr Vertrauen geschenkt hat.
Anders die schon genannten Christen zu Zeiten des Johannesbriefes. Das muss ein gutes Leben gewesen sein: Im Leben tagtäglich den größten Mist zu bauen und davon überzeugt sein, dass dieses miese Handeln das Leben vor, mit und in Gott gar nicht betrifft und berührt, denn ich bin ja in einer Gemeinschaft in Gott, die mein irdisches Leben überhaupt nicht berührt.
Das wäre ungefähr so als wenn ein Schüler dem anderen die Markenjacke klaut und dann sagt: „Wieso, ich bin doch Christ und ich kann doch machen was ich will!" - Das ist nach unserer Meinung und der Meinung des 1. Johannis-Briefes geradezu widersinnig.
Diese seltsame Überzeugung der seltsamen Christen damals wurzelt in alter griechischer und römischer Philosophie, die von vielen Christen in die Gemeinden hineingebracht wurden.
Ich will das jetzt nicht weiter vertiefen, sondern nur das ansprechen, was für uns wichtig ist. Für uns heute. Für jeden von uns:
Dieser 1. Johannisbrief ist eine dringende Mahnung, zunächst mal möglichst gar keine Sünden zu begehen. Und wenn, was ja leider tagtäglich geschehen kann, dann gibt es den einen Weg: Die Schuld vor Gott zu bekennen und den Allmächtigen und Barmherzigen um Vergebung zu bitten.
Unser Predigttext liefert gleich eine Ermutigung dazu: Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
Das heißt für uns alle: Jesus Christus ist unsere Hoffnung in allem was wir Gott bitten. Er vermittelt uns sozusagen die Liebe Gottes.
Unsere Aufgabe dabei neben dem Bekennen und Bereuen und dem Um Vergebung bitten?
Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen.... und: der soll auch leben, wie er gelebt hat.
„Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst!" Wer also diesem Gebot Jesu Christi folgt und in seinem Leben nach Kräften umsetzt, der ist auf einem guten Weg. Der wird wissen: Das Leben als Christ, das Leben aus dem Glauben heraus ist eine Verpflichtung, Gott und den Mitmenschen mit Liebe zu begegnen.
Wer sich in Gottes Liebe geborgen weiß, der wird in seinem Leben immer wieder das Kreuz vor Augen sehen, welches das Zeichen ist der Liebe Jesu Christi zur ganzen Welt.
Amen