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ISSN 2195-3171





Göttinger Predigten im Internet hg. von U. Nembach

Ostersonntag, 04.04.2010

Predigt zu 1. Korinther 15:1-11, verfasst von Katharina Coblenz-Arfken

Liebe Gemeinde,

noch klingt der Jubel am Ostermorgen im vielfältigen Halleluja im Ohr:
   „Christus ist auferstanden!"
   „Er ist wahrhaftig auferstanden" - das ist und war die Antwort der Christen seit jenem Ostermorgen, da die Frauen am Grabe waren. In Trauer gefangen gingen sie hin, dem geliebten Menschen die letzte Ehre zu erweisen, einen toten Körper zu salben. Aber das Grab war leer.
Sie hatten die Botschaft der Engel vernommen: „Fürchtet euch nicht ...er ist auferstanden".. Sie haben ihn gesehen (Maria Magdalena) und gehört, ließen sich zu Leben wecken und sagten es weiter.

Glauben Sie an die Auferstehung der Toten?
Kennen Sie diese Frage?
Sie wird und wurde seit jenem Ostermorgen immer wieder neu gestellt.
Auch der Apostel Paulus musste sich dieser Frage stellen, kaum zwei Jahrzehnte nach Jesu Tod und Auferstehung. Das ganze 15. Kapitel seines ersten Briefes an die Korinther ist die Antwort darauf.

Lesung 1. Kor 15,1-11 („Bibel in gerechter Sprache"):
Ich erinnere euch, Geschwister, an die frohe Botschaft, die ich euch brachte, die ihr auch angenommen habt, und mit der ihr auch auf festem Boden steht. Durch sie seid ihr auch befreit worden, wenn ihr sie festhaltet in dem Geist, in dem ich sie euch verkündigte; ohne diese Botschaft höhlt ihr euer Vertrauen aus. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was auch ich empfangen habe:
Der Messias ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schrift schon sagt. Er wurde begraben und am dritten Tag aufgeweckt nach der Schrift. Von Kephas und dann den Zwölf wurde er als Lebendiger gesehen. Danach erschien er mehr als 500 Geschwistern auf einmal, von denen die meisten heute noch leben, nur einige sind schon tot. Und er erschien danach noch Jakobus und allen Apostelinnen und Aposteln.
Als Letztem erschien er auch mir als einer Nachgeburt. Denn ich bin der Geringste in der apostolischen Gemeinschaft und nicht wert, Apostel zu heissen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Durch Gottes Freundlichkeit (Gnade) bin ich geworden, was ich jetzt bin, und Gottes Freundlichkeit (Gnade) zu mir ist nicht enttäuscht worden.
Ich habe nämlich mehr als alle anderen geschuftet - nicht aus angeborener Kraft, sondern weil Gottes Freundlichkeit (Gnade) mich begleitet hat. Doch gleich ob die anderen oder ich:
So haben wir verkündigt und so habt ihr geglaubt.

Liebe Gemeinde, wesentlich für den Apostel ist, dass er weitergibt, was er empfangen hat.
Und zwar getreu und genau.
Denn Empfänger ist er und nicht Erfinder des Evangeliums. Das Evangelium, die gute Botschaft, ist keineswegs eine inspirierte Idee, sondern ganz konkret an die Geschichte von Jesus von Nazareth geknüpft. Und diese Geschichte umfasst seine Menschwerdung, seinen Tod (als Konsequenz seines opferbereiten Lebens für diese Welt) und die Auferstehung. Eins ist dabei untrennbar mit den anderen verknüpft. Doch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gehört von Anfang an und ein für allemal zu dem, was in den christlichen Gemeinden verkündigt wird.
Und diese Verkündigung geht wiederum zurück auf einen ganz bestimmten Kreis von Menschen, die gesehen, gehört und miterlebt haben, was da geschehen ist.
Paulus zählt hier konkret auf, wer zum Kreis der Zeugen gehört. Sicher, als Mann in seiner Zeit vermag er nur die Männer aufzuzählen, denn die Frauen sind ohnehin inbegriffen. So werden die ersten Zeuginnen gar nicht benannt, Maria Magdalena und die andere Maria (Mt 28). Aber schon sie haben es weiter erzählt und Jesus ist dann nach der Schilderung des Paulus gesehen worden von Kephas, danach von den Zwölfen, und danach von mehr als 500 Brüdern. Auch da waren sicher Frauen und Kinder dabei. Eine große Menge also.
Es ist uns aber nicht mehr möglich diesen ältesten Osterbericht, den wir haben, mit den synoptischen Ostergeschichten lückenlos in Übereinstimmung zu bringen. Doch darin stimmen die Berichte alle überein, dass es sich immer nur um eine begrenzte Zahl von Menschen handelt, denen der Auferstandene begegnet.. Eben Zeitzeugen.

Der Apostel sprengt den historischen Horizont, wenn er sich selbst zu den Zeugen hinzu fügt und mit aufgereiht sieht in die Kette der Augen und Ohrenzeugen.
Er ist der erste „Auferstehungszeuge", der den historischen Jesus nicht mehr kennen konnte. Da trennten ihn Raum und Zeit. Er erlebte Jesus vielmehr als eine sein normales Sein erschütternde und verwandelnde Wirklichkeit.
Schade finde ich nur, dass der Apostel hinter sich die Kette der Offenbarungen des Christus schließt. Was heißt denn „als Letztem" von mir gesehen? Ich denke, die Kette der Menschen, denen Jesus begegnet ist, riss bis heute nicht ab.
Würden wir uns sonst so zusammenfinden?
Und doch sind die ersten Zeuginnen und Zeugen die wichtigsten, denn zu ihnen müssen wir immer wieder zurück und ihnen nachglauben, wenn wir die christliche Botschaft nicht neu erfinden wollen.
Zugleich möchte ich aber Ostern diesen festen Kreis der Zeugen aufgebrochen wissen - so wie bei Paulus. Denn es gibt sie bis heute, die Menschen, denen Christus begegnet ist, und die daraus den entscheidenden Anstoß für ihr Leben bekamen. Und immer, wenn ein Mensch getauft wird, tun wir das doch in der unerschütterbaren Zuversicht, dass Christus lebendig ist und sagt: „Siehe , ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt" - das ist erfahrbar auch von uns. Wir stehen damit in einem Strom der Überlieferung, der uns trägt und dafür birgt. Deshalb stiegen die ersten Christen bei der Taufe auch in lebendig strömenden Wasser, tauchten unter und zu neuen Leben durch Gott erweckt wieder empor.
Die christliche Überlieferung ist die eine Form, in der wir dem wunderbaren Geschehen von Tod und Auferstehung begegnen und somit Anteil an diesem lebendig machenden Strom des Lebens bekommen. Es geht hier auch für uns um Tod und Leben.
Für den Apostel Paulus bedeutete die Begegnung mit Christus auf seinem Weg nach Damaskus, als er im Begriff war, die die für die Juden festgelegten römischen Staatsgesetze übertretenden Christen zu verraten und zu vernichten, die totale Wende im Leben. Der Auferstandene ist ihm begegnet. Saulus-Paulus stürzte zu Boden und wurde aufgerichtet.
Was hat er erfahren?
Er hat sich erkannt gefühlt, vielleicht erstmalig in seinem Leben, in dem er sich so abgestrampelt hat, das Richtige zu tun, das Gesetz zu erfüllen, die Falschen und Gesetzlosen (Christen) zu verfolgen und zu denunzieren. Er hat begriffen, dass er aus Gnade lebt, dass Gottes Liebe und Gnade auch durch eine Hinrichtung nicht totzukriegen ist. Dass Gott auch über und in allen Abgründen da ist.
Und wenn ich nun das ganze Kapitel seines Nachdenkens und Argumentierens über die Auferstehung der Toten lese, so mündet doch alles in dem einen Satz: „damit Gott sei alles in allem".(1.Kor 15,28). Das hat zu genügen. Bitte kein Ausmalen mit Engelchen und rosa Himmelsplüsch. Damals nicht und heute schon gar nicht. Dafür aber das umso stärkere Zutrauen, dass Gott uns verwandeln kann. Und einmal ganz und alles und die ganze Welt und mich natürlich auch.
Der verfluchten Macht des Tötens und der Unterwerfung setzt Gott Ostern entgegen als eine Macht, die aufrichtet, die lebendig macht.
Wir kommen von Karfreitag her. Was uns kaputt macht kennen wir doch nur all zu gut. Die Verzweiflung über uns selbst, die Krankheit, die einen zerfrisst, die Stimmen, die einen raten da hinzusehen, was mich kaputt macht. Da ging eine Ehe schief, da starb der Partner, da gehen Kinder unverstandene Wege, da werd ich rausgemobbt, da töten Menschen weiter Menschen und wir Deutschen liefern mit die meisten Waffen dafür, da reicht ein Tschernobyl nicht, da werden Atomkraftwerke weiter betrieben ...
Ostern ist für mich das ganz konkrete Angebot da hinzusehen und einen neuen Lebenshorizont aufgehen zu lassen. Einen Lebenshorizont, in dem mir vergeben und zugetraut wird, von der Kraft der Auferstehung zu leben. Dem Ja Gottes, das auch über meinem und deinem Leben steht. Von Ostern her kommt die Lebensenergie, die nichts und niemanden dem Tod, dem heimlichen Vergessen, dem Wertlossein überlässt.
Aus Gnade leben können, da leuchten die Auferstehungsseiten in meinem Leben wieder auf, die Fülle der Freude, die mich berührt. Das Sorgen um einen kranken Menschen, das gemeinsame Singen und Musizieren, sehen, wie die Natur erwacht, stehenbleiben beim Kinderlachen, Abkehr von der Atomenergie, miteinander einen gemeinsam gangbaren Weg finden ... - ja, vielleicht setzten Sie diese Auferstehungsseiten fort.
Angeregt durch den schweizer Pfarrer Kurt Marti:

ihr fragt
wie ist
die auferstehung der toten?
       ich weiß es nicht
 
ihr fragt
wann ist
die auferstehung der toten?
      ich weiß es nicht

ihr fragt
gibt's
keine auferstehung der toten?
       ich weiß es nicht

ich weiß
nur
wonach ihr nicht fragt
       die auferstehung derer die leben

ich weiß
nur
wozu Er uns ruft:
       zur auferstehung heute und jetzt



Dr. Katharina Coblenz-Arfken
Northeim - Hohnstedt
E-Mail: arfkencoblenz@yahoo.de

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